I. Risiken der Geldanlage verstehen

 

Leben bedeutet Risiko. Immer. Geld anlegen auch. „Die Welt des Geldes ist eine ungewisse Welt“, schreibt Gerd Gigerenzer treffend in seinem Bestseller Risiko. Eine sichere Geldanlage im Sinne von „verlustfrei“ gibt es nicht.

Es gibt nur 2 Ereignisse im Leben, die wirklich sicher sind im Sinne von – „Sie treten ein.“:

– der Tod (so sehr ich das bedauere)
– die Veränderung.

 

Was also tun? 

Das, was wir Menschen immer tun, unser ganzes Leben lang: Wir gehen mit Risiken um und versuchen sie zu verkleinern. Bisschen schicker ausgedrückt: Wir managen Risiken.

Wir blicken zum Beispiel nach rechts und links, bevor wir über die Straße gehen. Damit managen wir das Risiko, überfahren zu werden. Also das Sterbe- oder Krankheitsrisiko.

Oder wir essen nur Pilze, die wir kennen. Damit managen wir das Risiko, einen Giftpilz zu erwischen und im schlimmsten Fall zu sterben.

Du merkst, worauf ich hinaus will.

Wir versuchen, Risiken zu erkennen, auch bewusst einzugehen, aber solche auszuschalten, die wir beeinflussen können und die uns schaden.

Beim Geldanlegen ist das genauso. Wir suchen gute Risiken, weil sie uns voranbringen, und minimieren gleichzeitig DAS Risiko bei der Geldanlage: das finanzielle Verlustrisiko.

Was ist Risiko?

 

Merksatz jeder Aktien-ETF-Anlegerin: Ohne Risiko, keine Rendite.

 

Definition von Risiko in der Kapitalmarkt-Literatur:

Risiko
= Eintritt eines Verlustereignisses mit bestimmter Wahrscheinlichkeit.
oder: realisierter (!) Verlust von Vermögen
= Möglichkeit, weniger Geld zu bestimmtem Zeitpunkt zur Verfügung zu haben als gedacht

Nicht: Unsicherheit!

Unsicher ist, wie umfangreich und wann Verluste eintreten. Dass Verluste eintreten, ist dagegen wahrscheinlich. Und das ist das Risiko, mit dem wir umgehen müssen.

Heißt: Wir wissen als Anlegerinnen, dass vorübergehende Buchverluste bei unserer Geldanlage auftreten werden.

Das Risiko lässt sich dabei nicht berechnen, sosehr uns das auch die Banken glauben machen wollen. Denn: Ausfall- und Schwankungsrisiken passieren in der Zukunft. 🙂 Wir können die Risiken aber abschätzen und klug durch die Art, wie wir investieren, verringern. Zum Beispiel durch Fonds wie ETFs und einen langen Anlagehorizont.

 

 

 

Okay, aber woher weißt du, ob eine Geldanlage risikoreich oder risikoarm ist? Dafür haben wir drei Kriterien, die wir bei jeder Geldanlage durchdeklinieren können.

Geldanlagen einordnen: Sicher oder risikoarm?

 

Kriterien einer Geldanlage:

    1. Rendite: Höhe der Erträge aus einer Geldanlage wie Zinsen, Dividenden, Kurssteigerung als Preis für das eingegangene Risiko.
    2. Sicherheit: Wie stark schwankt die Wertanlage und ist ein Totalverlust möglich?
    3. Liquidität: Wie schnell kann ich die Wertanlage wieder zu Geld machen, also verkaufen?

 

Risikoarm und renditeschwach sind:
Sicherheit + Liquidität hoch
=
risikoarme Anlage

Bargeld, Tagesgeld, Festgeld, Anleihen, Geldmarktfonds mit Laufzeiten bis zu 3 Jahren

 

Risikoreich, dafür renditestark sind:
Rendite hoch + Sicherheit niedrig + Liquidität idR. niedrig
= risikoreiche Anlage

Aktien, Aktien-ETFs und andere Aktien-Fonds, Immobilien, Rohstoffe, Land

 

Sicherheit und hohe Liquidität benötigen wir für kurz- und mittelfristige Ziele.

Eine hohe Rendite wollen wir dagegen beim Vermögensaufbau und anderen langfristigen Zielen.

Und das ist die Antwort auf die Frage:

 

Welche Geldanlage lohnt sich?

Wer mich das fragt, dem stelle ich sofort diese Gegenfrage: für welches Ziel? Du kannst darauf jetzt schon eine Antwort geben. Von mir hier erneut als Zeitstrahl eine Art Leitfaden.

In der Kurzfristigkeit setzen wir auf Geldwerte. Für alles Langfristige ab 10 Jahren setzen wir auf Sachwerte – und mischen Geldwerte dazu, um Verlustrisiken der Sachwerte zusätzlich abzufedern. 🙂

 

Resümee

  • Ohne Risiko, keine Rendite.
  • Hohes Risiko bedeutet NICHT, hohe Rendite. Ganz im Gegenteil!
  • Risiko ist der Eintritt eines Verlustereignisses mit bestimmter Wahrscheinlichkeit. Wir stellen uns als ETF-Anlegerinnen auf Folgendes ein: Es werden (Buch)Verluste eintreten.
  • Wir können Geldanlagen als risikoarm oder -reich einordnen u. a. anhand der Kriterien Rendite, Sicherheit, Liquidität.