IV. Warum Bankberater dir keine ETFs verkaufen, dafür Zertifikate und teure Mischfonds
Zum Abschluss dieses Moduls ein Einblick in die Bankenwelt.
Du hast dich bestimmt schon gefragt, warum dir dein Bankberater oder deine Bankberaterin keine ETFs anbietet. Sondern eine Lebens- oder Rentenversicherung als Vorsorge oder sogar eine Riester- bzw. Rürup-Rente? Oder ganz schlimm: Zertifikate!
Dann kommt hier die Antwort:
Exkurs: Das Geschäftsmodell von Banken
Ausgewählte Abschlussprovisionen laut Stiftung Warentest, pro Jahr:
aktive Aktienfonds – 4 % bis 6,5 % auf anzulegende Summe
Zertifikate – bis 0,03 %
Kapitallebensversicherungen – bis 5,5 %
Schiffsbeteiligungen – 8 % bis 15 %
Ausgewählte Bestandsprovisionen laut Stiftung Warentest, pro Jahr:
aktive Aktienfonds – bis 0,5 % auf anzulegende Summe
Zertifikate – 0,1 % bis 0,8 %
Kapitallebensversicherungen – bis 2,5 % pro Jahr
Beispiel:
Du hast einen aktiven Aktienfonds für 50.000 € gekauft. Dafür fallen bis zu 6,5 % Abschlussgebühren einmalig an, das wären bis zu 3.250 €. Dazu jährlich 250 € Bestandsprovisionen – zuzüglich zu den Kaufgebühren und laufenden Gebühren. Der Kostenfaktor ist bei aktiven Fonds also erheblich!
Die Abschluss- als auch Bestandsprovisionen zahlen Bank-Kundinnen über die monatlichen Sparbeträge, wenn sie solche Finanzprodukte gekauft haben. Tausende Euro gehen also an die Bank, obwohl die Beratung keine Beratung war, sondern ein Produktverkauf, um die Gewinne der Bank zu maximieren. Nicht den Wohlstand der Kundin.
ETFs sind weitgehend frei von Bestandsprovisionen; Abschlussprovisionen gibt es überhaupt nicht.
Berater, die keine sind.
Alle Menschen, die dir sagen, sie seien Berater’innen, stellen dir aber für ihre Dienstleistung kein Honorar in Rechnung, sind keine Berater’innen. Sie beraten dich nicht zu deiner persönlichen Situation. Sie sind Produktverkäufer’innen. Sie verkaufen dir in der Regel Finanzprodukte, an denen sie am meisten Provisionen verdienen. Die Provisionen erhalten sie von den Finanzprodukt-Herstellern. Und die wiederum nehmen das Geld von deinen Spar- und Investitionsbeträgen.
Aktiv müssen dir Produktverkäufer’innen nicht offenlegen, wie viel ihre Dienstleistung dich kostet. DU MUSST DANACH FRAGEN. Wenn du fragst, müssen sie es offenlegen.
Diese Produktverkäufer’innen findest du in Banken, bei Strukturvertrieben wie MLP, DVAG, Tecis, Ergo, Swiss Life, Vermögensverwaltern und spezialisierten Finanz”beraterinnen”. Kläre immer vorab: Ist es Produktverkauf gegen Provision oder Honorarberatung.
Merke dir also:
Provisionsberatung = Produktverkauf mit intransparenten Provisionen
Honorarberatung = Beratung gegen Geld
Organisierst du deinen Vermögensaufbau selbst, wie du es hier im Kurs lernst, machst du dich unabhängig von Produktverkäufer’innen und ihrer Vertriebsmasche. Wobei sie immer versuchen werden, dir einzureden, allein könntest du das nicht. Das sei viel zu gefährlich! Dazu benötigst du unbedingt Experten wie sie. 😇
Lesetipp
Hartmut Walz: Beraten statt verraten. So wehren Sie Manipulationen in der Finanzberatung souverän ab (2022)
